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300 Jahre alte Notenhandschrift geht als Leihgabe von Luckau nach Leipzig

Eine mehr als dreihundert Jahre alte Notenhandschrift aus dem bedeutenden Luckauer Kantoreiarchiv rückt für die nächsten Wochen ins Rampenlicht. Die Abschrift des „Actus Musicus auf Weyh-Nachten“ des Komponisten Johann Schelle wird Teil einer Sonderausstellung im Leipziger Bach-Museum. Jüngst übergab Kantorin Patricia Kramer die Handschrift als Leihgabe an Kuratorin Henrike Rucher.

Wer die Gelegenheit hat, einen Blick in das Luckauer Kantoreiarchiv zu werfen, kann sich der geschichtsträchtigen Atmosphäre dieses Ortes nicht entziehen. In einer engen Kammer stapeln sich in alten Holzregalen flache Pappboxen bis an die Decke. Fahles Licht fällt auf die in sorgfältig beschrifteten mit Staub bedeckten Schachteln. In ihnen ruhen handschriftliche Kompositionen Luckauer Kantoren sowie seltene Abschriften und Drucke von Werken bedeutender Komponisten des Barock. Ein alter Schrank mit großen Türen schützt die besonders raren Exemplare. Dazu zählt auch der „Actus Musicus auf Weyh-Nachten“ des Komponisten Johann Schelle (1648–1701), handschriftlich kopiert vom Luckauer Kantor Christian Frölich im Jahr 1703. Das wertvolle Dokument fand das Interesse von Henrike Rucker, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Leipziger Bach-Archiv. Mit Hilfe des Internationalen Quellenlexikons der Musik, in dem auch die umfangreichen Bestände aus Luckau erfasst sind, konnte sie den Besitzer der Partitur leicht ausfindig machen. Auch Rucker ist sichtlich beeindruckt vom ursprünglichen Zustand des Luckauer Archivs. Dass sie nun von Kantorin Patricia Kramer und Pfarrer Martin Meyer an diesem Ort die einzige vollständig überlieferte Handschrift von Schelles eindrucksvoller Vertonung der biblischen Weihnachtsgeschichte in Empfang nehmen darf, sei ein besonderer Moment. "Ob das Werk in Luckau aufgeführt wurde, wissen wir nicht, da zur Partiturabschrift keine Aufführungsstimmen erhalten sind" sagt Henrike Rucker. Ebenso möglich sei es, dass die Abschrift aus Sammelleidenschaft oder zu Studienzwecken angefertigt wurde. Die 54 Seiten umfassende Handschrift verlässt für die kommenden Monate das dunkle Archiv und rückt in Leipzig als Teil einer Ausstellung ins Rampenlicht. Die Sonderausstellung „Von Schütz zu Bach“ wird aus Anlass des 350. Todestages von Heinrich Schütz (1585–1672) vom 6. Mai bis zum 3. Oktober im Bach-Museum Leipzig zu erleben sein. Johann Schelle war Schüler von Schütz und zweiter Vorgänger von Johann Sebastian Bach im Leipziger Thomaskantorat. „Musikalisch schlägt er eine Brücke zwischen den beiden großen Musikern. Sein ‚Actus Musicus auf Weyh-Nachten‘ hat einen bedeutenden Platz zwischen der Weihnachtshistorie von Schütz und dem Weihnachtsoratorium von Bach“, erläutert Kuratorin Henrike Rucker. Darum sei diese Abschrift ein wesentlicher Teil der Ausstellung. Zeitzeugen bekundeten der Kirchenmusik von Schelle eine außergewöhnliche Wirkung. Es hieß, seine Musik sei „wie süßer Honig“ und die Zuhörer „müssten herbeischwärmen wie die Bienen“ zur Blüte. Schelle habe die Gabe gehabt, Laien wie Kenner zu fesseln, weiß Henrike Rucker zu berichten. Ob das heute noch gilt, wäre einen Versuch wert. Möglicherweise kommt auch der „Actus Musicus auf Weyh-Nachten“ einmal in Luckau zur Aufführung. Ausschließen will es Kantorin Patricia Kramer jedenfalls nicht. 

Die Sammlung der Luckauer Kantoreibibliothek ist hinsichtlich ihres Umfangs sowie ihrer Zusammensetzung von Werken Niederlausitzer, sächsischer, schlesischer und italienischer Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts von großer musikgeschichtlicher Bedeutung. Gemeinsam mit der aufwendig ausgestatteten Nikolaikirche unterstreicht sie den außerordentlichen kulturellen Reichtum der Stadt Luckau in jener Zeit.

Franziska Dorn        22.04.2022

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Letzte Änderung am: 28.04.2022